Mittwoch, März 25, 2009

heart spell death

"Anni!", hoere ich es mit stark italienischem Akzent hinter mir klingen, weite die Augen und muss mich noch nicht einmal umdrehen um zu wissen, dass ich anderen Backpackern nicht enkommen kann, weil man sich stets zu mehreren Gelegenheiten auf diesem riesen Kontinent trifft. Mit Strahlen und ausgestreckten Armen steht Alessandro vor mir, den ich das letzte Mal in Brisbane gesehen habe, weil er einer der beruehmten Pokerherren waren, die jeden Abend mit mir am Tisch gesessen sind. Wie wudnervoll es klingt, wenn er meinen Namen ausspricht und die Haende dazu fliegen laesst, wie es sich fuer wahre Italiener gehoert - die Silben so platziert, dass man der Meinung ist, der eigene Name habe eine Melodie und koenne die schwaerzeste Nacht erhellen. Vielleicht schafft man es noch sich in einem Hostel zu treffen und zu pokern - es waere mir eine Ehre, ihn abzuziehen - tehe..

Meine Zeit verbringe ich derzeit mit einer eingespielten Runde aus dem Hostel - wir sind nach ueber einer Woche zusammengewachsen und man hat stets etwas zu tun (was natuerlich die groesste Luege ueberhaupt ist, aber es klingt interessanter als "wir gammeln den ganzen Tag auf dem Sofa und wissen nicht recht was wir anstellen koennten.."). Im Grunde geht mein taeglicher Gang aus dem Hostel mit Buch und Freude ins Stammcafe, in dem man mich mittlerweile begeistert beim Namen nennt und schon nicht mehr gefragt wird, was ich bestellen will, weil es als unausgesprochenes Gesetz gilt, dass ich einen 'Regular Iced Coffee' und ein "Slice of bananabread' will. Vier Angestellte begruessen mich mit "Hey Amy" und einem Grinsen, als waeren sie Herr der Lage - wennselbst Amy nicht mein Name ist, aber sie alle fest davon ueberzeugt sind, weil ich das erste Mal als sie danach gefragt haben zu faul war ihre Namensvorschlaege zu verbessern. Anni scheint nach wie vor ein unmoeglich auszusprechender Name zu sein, aber ich freue mich ueber jedes "Order for Amy!", das mir gilt und jede Begegnung mit Harrison und John, die dort fest angestellt sind und mir froehlich nachrufen, dass sie mich am naechsten Tag wiedersehen, weil ich ja sowieso jeden Tag komme.

Gestern habe ich sie durch Zufall im Supermarkt entdeckt und sie waren verstoert, aber begeistert - "It's getting weird, Amy.." - "Yeah, i know - i just like you guys and keep following you all the time" - bis sie mich mit ihrem gewohnten "See ya tomorrow, Amy" verabschieden. Wie herrlich es ist, gekannt zu werden - nachher gehe ich sie wie gewohnt besuchen, auch wenn ich schon mit Rieke dort war um den ersten Iced Coffee zu trinken. Bis vor wenigen Tagen muessen Harrison und John gedacht haben, dass ich keine Freunde habe, weil mein Tageablauf nur aufstehen, ins Cafe schlurfen und dort 5 Stunden sitzen, lesen und schreiben - und letztendlich ins Hostel zuruecklaufen und mit den ganzen Menschen Biertrinken beinhaltet hat. Aber letztens habe ich tatsaechlich Martina und Jason mit ins Cafe geschleift, so dass die Herren lernen durften, dass ich nicht ein armer Tropf bin, der einsam vor sich hinduempelt. Hach - a propos Martina.. Martina ist direkt nach ihrem Neuseelandurlaub nach Perth geflogen und ich habe sie in mein Hostel in Fremantle gebucht, damit sie hier zwei Naechte bleibt. Und es hat wundervoll geklappt, es waren naemlich im Endeffekt vier Naechte, weil es so klasse war und ich hatte die beste Unterhaltung, die man sich fuer den letzten Rest Fremantle vorstellen kann. Die Chance alte Geschichten ueber Ollie und alle Gestalten aus Brisbane auszutauschen wurde natuerlich genutzt und selbst wenn sie jetzt auf einer sehr sonderbaren Kraeuterfarm ist, hat es mich enorm gefreut, dass sie den Abstecher zu mir gemacht hat. -- Uah, zudem habe ich das goettlichste Bilderbuch dieser Welt geschenkt bekommen. Mo Willems - The Pigeon finds a Hotdog. Graah - danke :D

Ansonsten habe ich mich einen Tag bevor Martina gekommen ist mit einer Runde Surferkerlchen unterhalten und habe mich von ihrem Trainer (Jason) mit zum Strand schleifen lassen, um die Rudermeisterschaften Australiens zu betrachten. Ebenso am naechsten Tag, als Martina dann mitgekommen ist und wir jeeede Menge Maennchen in Speedos gesehen haben - urks. (Das waere was fuer dich gewesen, mein Flamingo :P dagegen waren die Herren in Melbourne am Strand noch harmlos. Ich hatte das Beduerfnis mich alle zwei Minuten zu blenden..)
Nachdem wir den Wettkampf um den Titel des australischen Iron Man 2009 gesehen haben und alle anderen Meisterschaften auch vorbei waren, wurde ordentlich mit Bier am Strand gefeiert - bis die Surfer und Ruderer dann beschlossen haben, dass es Zeit fuer toedliches Rugby ist. Die Regeln beinhalten alles - mit toten Hasen werfen, auf Schlangen im Gebuesch treten, kratzen, beissen, sich den Fuss aufreissen und ins Krankenhaus muessen um genaeht zu werden und generell lebensmuedem Verhalten in einem kleinen Tal zwischen zwei Sandduenen, in dem auch gerne mal ein Stueck Draht liegt. Blutfanatiker..
Die "Surfer Dudes" waren zwar alle erst 15, aber die wohl schnuffigsten Kerlchen ueberhaupt - nicht nur, dass sie perfekt dressiert waren und mir augenblicklich Loeffel und Stuehle geholt haben, ohne dass ich auch nur starren konnte, sie waren auch enorm lustig und frei. Jeder hatte seine suessen Eigenarten, wie James
der stets mit seiner Freundin telefoniert hat und ihr beteuert hat, wie sehr er sie liebt (und sie klingt am Telefon durchaus nett, ich habe das dezent nachgeprueft) oder Chris, der mit seinen zarten 15 Jahren gerne Frauen nachfilmt. Cam, der deprimiert ist, weil er noch keine Freundin hat oder Coxy, der die Silbermedaille der unter 17jaehrigen gewonnen hat und somit Australiens zweitbester Jugendsurfer ist. Aber Kinder sind sie dennoch.. *schmunzel-


(von unten nach oben) - James, Jason, Cam, Chris, Coxy

Wir hatten die Tage ueber eine klasse Zeit an/neben der Tischtennisplatte, mit den naechtlichen Gaengen zum Bottleshop und dem jugendlichen Elan, den die Surfer Dudes an den Tag gelegt haben.

Im Endeffekt habe ich nachts um 23.11 eine SMS mit dem diesem Bild von Jason bekommen:

"Boys want to send you this pic.. so you remember them. -

Chris, Coxy, James, Jason."


Sollte das mein Ego heben, wenn 15jaehrige Surfer mich toll finden? - aaawesome.. what a pity they're 15..

1 Kommentar:

Leali hat gesagt…

Kenn ich, kenn ich.
Der 15jährige Sohn von meinem Pfarrer ist so ein Schnuckel, dass ich ihn gern einpacken und mit nach Hause nehmen würde :)
Aber nein, Daniel bleibt brav hier und weckt bei jedem unserer Treffen den Wunsch in mir, nochmal 15 und naiv und verknallt zu sein :)