Sonntag, April 05, 2009

melan(chol)ie



Es fällt mir schwer die letzten Sätze dieser Seite zu verfassen - wieviele Minuten sitze ich nun schon vor dem weißbraunen leeren Kasten, der sich nicht von Zauberhand füllen lassen will, ohne dass ich die Finger auf die Tasten lege und wünschenswerterweise sinnvolle Worte niederschreibe?

Es war einfacher in die Realität zu finden, als ich es wollte - alle Befürchtungen über Eingliederungen in diese Welt wurden mit meiner Ankunft zerschlagen und fast schon hat es geschmerzt, dass ich die 7 Monate in den ersten Tagen so wenig vermissen konnte. Vielleicht lag es daran, dass sich das Rad der Zeit in diesem Teil der Welt nicht weitergedreht hat, selbst wenn der Alltag der Menschen selbstverständlich nicht zu einem Ende kam. Durch die Abwesenheit habe ich nicht mehr als oberflächliche Geschichten gehört und in dem Augenblick in dem ich nach Hause kam, wurde mir bewusst, dass sich nichts drastisch verändert hat. Natürlich arbeiten alle noch, studieren, schlafen zu humanen Zeiten und führen ihr Leben in geregelten Bahnen fort.. - welch blinden Hoffnungen bin ich nachgelaufen, dass ich annehmen konnte, ich hätte die Chance Neues zu entdecken, wenn ich doch in die alte Welt zurückkehre?

Vieles in mir sträubt sich gegen die Vorstellung mich wieder einzufügen, die gekostete Freiheit ziehen zu lassen und morgens aufzustehen, um einer Arbeit nachzugehen, die mir nicht richtig erscheint, aber ich selbst habe den Weg gewählt jetzt schon nach Hause zu kommen und ich bereue die Entscheidung nicht. Einerseits ist es so einfach hier zu leben, dass es lächerlich ist, wenn ich sage ich war 7 Monate im Ausland, aber auf der anderen Seite ist es schwer die Zeit gehen zu lassen. Nach exakt 7 Tagen Heimat habe ich meinen Platz noch nicht gefunden. Es zieht mich in die Ferne, um Abenteuer zu erleben, Menschen kennenzulernen und andere Dinge als die Fensterscheibe in meinem Zimmer zu sehen - und dennoch sitze ich jeden Tag wie früher vor dem PC, pflege virtuelle Bekanntschaften, ordne melancholisch Bilder und falle in gewohnte Muster. Ich fühle mich wohl und es ist schön angekommen zu sein - aber was ist diese kleine Welt, wenn man einmal den Geschmack der Freiheit auf der Zunge kosten durfte?

-- Ich weiß nicht wie lange mich Australien noch beschäftigen wird, wann die Menschen aufhören werden zu fragen wo ich war und was ich erlebt habe, wann ich das letzte Mal alte Bilder durchkrame und nicht mehr schmunzelnd den Kopf auf die Tischplatte legen muss, weil ich nicht ertrage, dass ich einen Großteil der Menschen nie wieder sehen werde. Das Gefühl der Zerrissenheit wird sich legen, wie sich alle Emotionen mit der Zeit legen.

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